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Donnerstag, 9. Juni 2011

Drei Tage Skeptiker

Prater Riesenrad
Die GWUP Jahreskonferenz in Wien ist am vergangenen Samstag zu Ende gegangen und mittlerweile habe ich auch ein wenig Schlaf nachgeholt, mir Wien angesehen und nun auch zu Hause wieder alles in Ordnung gebracht, meine Fotos bearbeitet und finde nun auch noch etwas Zeit, meine Eindrücke zu teilen.

Auftakt war am Himmelfahrtstag der traditionelle Publikumstag im Naturhistorischen Museum, einem eindrucksvollen Bau gegenüber der Hofburg.
Naturhistorisches Museum (c) by RalfNausK

Der Andrang zu dieser Veranstaltung war so groß, dass nicht alle Besucher Platz fanden. Beim Publikumstag geht es traditionell darum, Themen aus der Arbeit der GWUP in lockerer Atmosphäre vorzustellen. Die Wiener Regionalgruppe, die Gesellschaft für kritisches Denken, hatte ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Programm vorbereitet. Den Auftakt machte Science Buster Prof. Heinz Oberhummer mit einer Präsentation "Homöopathischer Vollrausch für Schüttler". Mit Hilfe einer Flasche Rum und 12 Wassergläsern stellte er Rum C12 her, eine Verdünnung so unvorstellbaren Ausmaßes, dass leider kein Rum mehr im Endprodukt vorhanden war. Prof. DDr. Ulrich Berger wagte ein Schlückchen und war so nüchtern wie zuvor.
Prof. Oberhummer verdünnt Rum (c) by RalfNausK
Damit war das Thema "Homöopathie" aber noch nicht erledigt. Die Wiener Skeptiker ließen es sich nicht nehmen, noch eine Wiederholung der 10:23 - Aktion vor großem Publikum folgen zu lassen. Eine ganze Reihe Skeptiker schluckte homöopathische Hochpotenzen - offensichtlich ohne Schaden zu nehmen. Jedenfalls waren die meisten von ihnen auch noch beim Rest der Tagung dabei. Um es gleich nochmal zu erwähnen: Das beweist nicht, das Homöopathie nicht wirkt. Es beweist, dass die Zuckerkügelchen bei Hochpotenzen eben nur Zuckerkügelchen sind und keine Spur des "Wirkstoffes" mehr drin ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es ist nicht Aufgabe der Skeptiker, die Unwirksamkeit zu belegen. Es ist Sache der Homöopathen zu belegen, dass ihre allen wissenschaftlichen  Erkenntnissen widersprechende Methode irgend eine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirkung hat. Dafür hatten sie über 200 Jahre Zeit.

Homöopathie hat ja eine Menge mit Wasser zu tun und so schloss sich konsequent ein Vortrag über Wassermythen an. Besonders beliebt ist in der Eso-Szene das "Beleben" von Wasser, ein Konzept, für das wissenschaftliche Grundlagen nicht ersichtlich sind. Ich persönlich trinke ja lieber Wasser, in dem nichts mehr lebt. Wenn zu viel Leben im Wasser ist, führt das erfahrungsgemäß eher zu Durchfall. Interessanter Weise stellte sich in der Diskussion heraus, dass zum Beispiel das Kolpinghaus in Wien, in dem einige Teilnehmer untergekommen waren, damit wirbt, dass dort "Granderwasser" aus der Leitung sprudelt. Aberglauben in einer katholischen Einrichtung?

"Hundini" bei der Arbeit... (c) by RalfNausK
Getreu dem Unterhaltungsanspruch der Veranstaltung zeigte GWUP-Magier Wolfgang Hund alias "Hundini" unglaubliche Beispiele seiner Kunst. Das wundersame Verhalten von Wasser, die Beherrschung des elektrischen Stroms oder auch die faszinierende Möglichkeit, Wasser durch den Körper einer Skeptikerin zu spülen (siehe nebenstehendes Foto) brachten dem Skeptiker Hund ordentlich Applaus ein.

Höhepunkt des Publikumstages war die erstmalige Verleihung des "Goldenen Brett vorm Kopf" für den herausragendsten Unsinn des Jahres. Nominiert waren die Innsbrucker Professorin Claudia von Werlhof, eine feministischen Wissenschaftlerin, die den Verdacht geäußert hat, die USA könnten das verheerende Erdbenen in Haiti mittels des Projektes "HAARP" gezielt verursacht haben (Zu den wissenschaftlichen Hintergründen verweise ich auf den Vortrag von Holm Hümmler über Erdbebenmaschinen (am dritten Konferenztag)), Dr. Mario Max Prinz zu Schaumburg-Lippe, der über Astro-TV unter anderem ein "Reichtums-Elixir vermarktet und last but not least Dokumentarfimer P.A. Straubinger, der für seinen "Dokumentarfilm" über Lichtnahrung 'Am Anfang war das Licht' nominiert war.
Die Mutter des Prinzen verleiht der Jury eine Klobrille
(c) by RalfNausK

Während bei anderen Preisverleihungen dieser Art die "Geehrten" der Veranstaltung fernbleiben, haben es die Nominierten - mit der bemerkenswerten Ausnahme von Frau Prof. von Werlhof - durchaus sportlich genommen und sind der Einladung der Veranstalter gefolgt. Entgegen der Befürchtungen von P.A. Straubiger wurde auch niemand ausgebuht, angespuckt oder sonst verunglimpft. Vielmehr entspann sich eine durchaus interessante Diskussion. Während Mario Max Prinz zu Schaumburg-Lippe eine launige und durchaus ironische Videobotschaft (habe ich leider nicht im Internet gefunden) geschickt hatte, beschränkte sich Frau von Werlhof auf den Hinweis, wir hätten die UNO nominieren sollen. Aber das war nicht alles, was der umtriebige Adoptivprinz unternommen hatte: Seine Mutter und sein Adoptivvater nahmen an der Verleihung teil und drehten den Spieß kurzerhand um: Sie verliehen der Jury eine Klobrille (österreichisch: Brettl) und hatten die skeptischen Lacher auf ihrer Seite.
P.A. Straubinger mit dem "Goldenen
Brett vorm Kopf"
(c) by RalfNausK

Der Preis ging schließlich an P.A. Straubinger, der selbst anwesend war und eine passende Rede hielt. Über seinen Trip zur GWUP-Preisverleihung gibt es - schließlich ist er Dokumentarfilmer - eine unterhaltsame Dokumentation, die ich der Einfachheit hier eingebettet habe. Man sieht: Die Aufnahme war durchaus nicht feindselig.
P.A. Straubinger gewinnt from thomas kamenar on Vimeo.

Der erste Abend endete dann mit einer Vorstellung der Science Busters im Rabenhof.

Der zweite Tag begann viel zu früh (9:30 Uhr) mit einer Mitgliederversammlung im Kuppelsaal der Technischen Universität. Nach der Mittagspause stellte Prof. Edzard Ernst dann die Frage "Quo Vadis Alternativmedizin". Kurzfassungen der Vorträge findet man hier. Ich spare mir daher Berichte im Einzelnen, zumal Skeptiker-Chefreporter Bernd Harder darüber bereits quasi live gebloggt hat. Seinen Beitrag zum Vortrag von Prof. Ernst gibt es hier.
Danach sprach die Medizin-Anthropologin Dr. Michaela Noseck über "Energie als Metapher in der österreichischen Heilerszene". Den Abschluss der Vorträge bildete ein Vortrag von Mag. Jakob Pietschnig zum - angeblichen - Mozart-Effekt.

Der Blogger und andere Skeptiker beim Heurigen
(c) by RalfNausK, danke an Rouven für das Foto.
Von der TU ging es dann zum Heurigen beim "Kierlinger". Für mich einer der Höhepunkte der Konferenz, weil man in lockerer Atmosphäre tratschen, viele neue Menschen kennen lernen und sich mal richtig amüsieren konnte. Endlich habe ich auch den Hoaxmaster kennen gelernt, den Gastgeber des Hoaxilla-Podcast. BTW: In der Folge am 12.06.2011 gibt es Interviews von der Konferenz!. Mit der letzten Tram ging es dann in die Stadt.

Kaum zu glauben: Ich habe es tatsächlich geschafft, am nächsten Morgen um 9:15 Uhr pünktlich zum Vortrag von Prof. Dr. Timothy Stern zum Thema "On being a Scientist" wieder im Kuppelsaal zu erscheinen. Der Vortrag war zudem in englisch, da wird man dann schnell wach.

Anschließend stellte Prof. DDr. Ulrich Berger "Statistricks" vor: Wie man zu einer wissenschaftlichen Studie für sein Placebo-Produkt kommt. Sehr informativ. Das gleiche galt für den Vortrag von Dipl. Ing. Manfred Ruttner über "Handymythen und Alltagsirrtümer". Ich wusste zum Beispiel nicht, dass mein Handy nicht ständig sendet, sondern nur alle paar Stunden.
Der Kuppelsaal der TU Wien
(c) by RalfNausK

Nach der Mittagspause fragte Prof. Dr. Andreas Hergovich, wohin der Weg der Parapsychologie führt. Das Werlhof-Thema griff der Vortrag von Dr. Holm Hümmler zum Thema "Erdbebenmaschinen" wieder auf.

Den Abschluss bildete dann Dr. Florian Aigner, der über CERN-Mythen referierte und uns erklärt hat, warum die Physiker in Genf wohl nicht die Welt zum Untergang bringen werden.

Fazit: Eine sehr erfolgreiche und schöne Konferenz, die Lust auf Mehr macht. Die nächste GWUP-Konferenz wird als Internationale Konferenz in Berlin stattfinden. Aber erstmal geht es im September nach Zürich zum Denkfest. Vielleicht treffen wir uns da.

Ach ja, ich habe den Besuch in Wien genutzt, alte Freunde wiederzusehen und ungebührlich viele Fotos zu schießen.
Meine Fotos aus Wien finden Sie auf Flickr, meine Konferenzfotos finden Sie hier.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Die Mondverschwörung - eine Filmkritik

Vorab: Wer den Film die Mondverschwörung noch sehen will und sich die Spannung nicht nehmen lassen will, der sollte diesen Beitrag besser überspringen.
Für alle Anderen ist dieser Beitrag gedacht. Einen Trailer habe ich natürlich auch eingebunden.


In seiner ganzen Pracht kann man den Trailer auf der Filmhomepage hier anschauen.

Fertig, ok, dann beginne ich mal mit meiner Geschichte. Aufmerksam geworden bin ich auf diesen etwas ungewöhnlichen Dokumentarfilm durch einen Bericht im GWUP-Blog. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Der Film verdient es, gesehen zu werden. Wir sprechen hier wohlgemerkt über einen Dokumentarfilm. Einen Dokumentarfilm, der erschreckt, gerade weil er dokumentiert. Einen Dokumentarfilm, der aber dazu auch noch unterhält, auch wenn einem manchmal das Lachen im Halse stecken bleibt.

Regisseur Thomas Frickel schickt den amerikanischen Fernsehreporter Dennis Mascarenas auf eine Reise durch die deutsche Esoterik-Szene. Aufhänger des Films (Spoiler-Alert!) ist die Frage, wem eigentlich der Mond gehört. Einem Amerikaner, der Grundstücke auf dem Mond verkauft und sich selbst als Oberhaupt der Galaktischen Regierung (da denkt man irgendwie an Raumpatroullie) bezeichnet, oder einem Deutschen, dessen Familie angeblich Friedrich der Große den Mond zum Geschenk gemacht hat? Davon ausgehend, erfahren wir mehr über die Geheimnisse des Mondes, über Mondwasser, Mondgymnastik und vieles mehr. Die Reise führt den gewichtigen Reporter quer durch Deutschland und über die Antroposophie ganz folgerichtig in den braunen Teil der Esoterik-Szene. Da erfährt er gar schreckliches über die amerikanisch-jüdische Verschwörung gegen die nordischen Menschen, hinter der der Kampf der Echsen gegen die Aldobaraner steht (Wurde das System nicht im ersten Star Wars Film von Darth Vaders Todesstern zerstört - na egal). Er erfährt, wie diese Verschwörer uns mittels vergifteten Geldes und plutoniumverseuchter Chemtrails ausrotten wollen. Und dass wir nicht verzagen müssen, denn der Erlöser (der uns auch schon das Reich für 1000 Jahre gebracht hat) hat mit seinen mit Flugscheiben ausgerüsteten Geheimtruppen in Neuschwabenland in der Antarktis überlebt, ist jünger geworden und bereitet sich darauf vor, endlich die Weltherrschaft zu übernehmen.

Das wirklich Erschreckende an der Sache: Die waren von ihrer jeweiligen absurden Theorie alle völlig überzeugt. Während das bei belebtem Wasser ja noch ganz witzig ist, hört der Spass bei der jüdischen Weltverschwörung aber nun doch auf. Am meisten musste ich den Reporter bewundern, der bei all dem Eso-Geschwurbel stets ganz ruhig zugehört hat. In diesem Sinne ein echter Dokumentarfilm, der dokumentiert, die Schlussfolgerungen aber dem Zuschauer überlässt.

Fazit: Ein sehenswerter Film, für Skeptiker ein Muss und für alle anderen: Wenn mich das nächste Mal jemand fragt, was denn an dem ganzen Eso-Kram so schlimm sei, werde ich ihn/sie auf diesen Film verweisen.

Ein kleines Filmrätsel zum Abschluss:
Was ist das?

  1. Die Rückseite einer Kinokarte?
  2. Eine vom Erzengel Michael gefertigte Grafik?
  3. Ein effektives Mittel zur Bekämpfung der Chemtrails?



(Antwort: 1-3)

Mittwoch, 23. Februar 2011

Nachtrag: Placebobands

Nur ein kurzer Eintrag: Bei den Skepticbros gibt es wieder Placebobands.
Wer mehr darüber wissen will, kann hier nachlesen, worum es geht.

Samstag, 19. Februar 2011

Astrologie

Ich war am vergangenen Wochenende auf einer Kindstaufe. Ja, ich weiss: Don't label me! Es war aber nicht meine Tochter, also habe ich darüber nicht zu entscheiden. Interessant waren meine Diskussionen über Homöopathie. Die allgemeine Meinung war: Das ist doch das, was nur wirkt, wenn man daran glaubt. Sehr erfreulich! Erstaunt war ich aber dar über, dass es doch eine ganze Menge Menschen gibt, dIe tatsächlich glauben, dass der Zeitpunkt der Geburt über den Charakter entscheidet. Dass also das Sternzeichen tatsächlich etwas über den Charakter aussagt.
Das hat mich doch etwas überrascht. Die Fakten sind doch ganz offensichtlich. Der Stand der Sterne zum Zeitpunkt der Geburt hat keinen Einfluss auf die Persönlichkeit. Wir sollten die Sterne auch einen solchen Einfluss haben? Die Gravitation, das dürfte die einzige Naturkraft sein, die auf derartig grosse Entfernungen wirkt, ist vernachlässigbar. Die Anziehungskraft der Hebamme, die dem Kind ja erheblich näher ist, isst stärker. Warum sollte der Zeitpunkt der Geburt und nicht etwa der der Zeugung entscheidend sein?
Zudem haben wir ja gerade gelernt, dass offenbar die tatsächlichen Positionen der Sterne völlig irrelevant sind, weil die astronomischen Tierkreiszeichen (13) schon lange nicht mehr mit den astrologischen (12!) übereinstimmen. Was soll es also sein, was diesen Einfluss hat?
Der Zeitpunkt der Geburt hat natürlich Einfluss auf das Leben: Der Geburtstag entscheidet zum Beispiel darüber, wann man eingeschult wird und das kann erheblichen Einfluss haben (so erklärt sich z.B. die statistische Dominaz mancher Sternzeichen in bestimmten Sportarten an US-amerikanischen High-Schools: Manche Schüler sind zwar in der gleichen Altersgruppe, aber fast ein Jahr älter, als ihre "Gleichaltrigen". Auch mag es (bei Mäusen wurde das nachgewiesen) eine Rolle bei der Entwicklung spielen, ob die frühe Kindheit eher in die dunkle oder die helle Jahreszeit fällt.
Machen Sie doch mal den folgenden Versuch:
Schneiden sie eine Woche lang die einzelnen Horoskope aus der Tageszeitung aus, und zwar ohne das jeweilige Sternzeichen. Dann mischen sie das ganze gut durch. Nun finden Sie die sechs Horoskope ihres Sternzeichens heraus. Das funktioniert natürlich nur, wenn sie die Horoskope nicht gelesen haben, bevor sie sie ausgeschnitten haben. Wenn sie diesen Test "blind" machen - Finden Sie jemanden, der eine andere Zeitung liest und Ihnen die Horoskope ungeordnet abschreibt - wird Ihnen das kaum gelingen.

Montag, 31. Januar 2011

Nachtrag: Podcast Hoaxilla

Schön ist, wenn man Feedback bekommt. In den Kommentaren zu meinem Podcast-Post habe ich einen Hinweis auf einen weiteren deutschen Skeptiker-Podcast gefunden: Hoaxilla - Der skeptische Podcast aus Münster.
Das sagt Hoaxilla über sich selbst:
HOAXILLA beschäftigt sich mit Modernen Sagen (Urban Legends), Medien, Kultur und Wissenschaft aus Sicht der Skeptiker-Bewegung, ohne sich dabei selbst zu ernst zu nehmen.
Das Besondere an HOAXILLA ist die Paarung von Skeptizimus und soziokultureller Betrachtung von Alltagsthemen. Dabei wird es nie trocken, aber immer wissenschaftlich fundiert.
Alexander und Alexa präsentieren jede Woche ein skeptisches Thema. Sehr hörenswert - ich lade gerade im Hintergrund alle 31 Folgen. Ausserdem: Herzlich willkommen bei der GWUP, der die beiden Podcaster gerade beigetreten sind.

Samstag, 22. Januar 2011

Die Balance der Kraft

In diesem Post möchte ich Ihnen ein Produkt vorstellen:
Das "Powerbalance (TM)"-Armband. Schauen wir uns das Produkt einmal an:

Original Powerbalance(TM) Armband (Bildquelle: Wikimedia Commons, Lizenz: Public Domain)

Schauen wir uns dieses wunderbare Produkt genau an: Ein Gummi-Armband mit einem "Hologramm" - man kann es auf diesem Bild nicht sehen, aber es befindet sich auf beiden Seiten ein Hologramm - wie man es zum Beispiel auf jeder Bankkarte findet. Über die vermutlichen Produktionskosten möchte ich nicht spekulieren. Dieses Gummiband kann man bei www.powerbalance.de für den Schnäppchenpreis von 39,90 € beziehen. Um nichts falsches zu sagen: Die Neopren-Version ist billiger: 34,95 €. Es gibt auch Halsketten und die Hologramme kann man im 10er-Pack für nur 79,95 € beziehen. (alle Preise laut http://www.powerbalance.de - Zugriff am 22.01.2011).

Warum sollte man für ein - ein wenig an ein Einmachglas-Gummi erinnerndes Armband fast 40,00 € ausgeben? Lassen wir die Werbung sprechen:


"Die POWER BALANCE Armbänder und Halsketten mit den einzigartigen Hologrammen wurden von Sportlern in USA entwickelt und können bei allen Sportarten bequem getragen werden. Neben vielen erfolgreichen Top-Athleten begeistert die Performance Technology vor allem Menschen, die auch im Alltag aktiv sind.
Die in fernöstlichen Kulturen jahrtausend alte Erkenntnis, dass unser Wohlbefinden vom natürlichen Energiefluss abhängt, findet auch im Westen zunehmend Akzeptanz. Auf Basis dieser Philosophie entstand POWER BALANCE. Die Produkte werden in einem speziellen Prozess hergestellt, wobei ein Mylar-Hologramm programmiert wird, damit es mit dem natürlichen Energiefluss des Körpers harmoniert." (http://www.powerbalance.de/was-ist-power-balance.html Zugriff 22.01.2011)
Die Aussage, dass man die Teile bei allen Sportarten bequem tragen kann, will ich gar nicht in Frage stellen. Aber warum sollte man das tun? Ein wenig erinnert das an einen alten Hägar-Comic (den ich aus urheberrechtlichen Gründen hier nicht wiedergeben kann, aber Sie können ihn hier ansehen): Hägar fragt einen Golf-Profi, warum er die von diesem vertriebene, extrem teure Magische Mütze kaufen soll und erhält zu Antwort: "Weil Golfer alles tun würden, um ihr Spiel zu verbessern". Zum zweiten Teil der Werbung hätte ich aber ein paar Fragen:

  • Was genau ist der "natürliche Energiefluss"?
  • Wie programmiert man ein Hologramm?
  • Wie soll ein Hologramm mit dem - nicht existenten - Energiefluss harmonieren?

Eine Antwort findet sich vielleicht in der weiteren Werbung: Etwas später heisst es an gleicher Stelle nämlich:
"Die Hologramme sind sehr robust und ermöglichen bei sachgemäßer Handhabung eine Lebenszeit von mehreren Jahren. Sie sind wasserfest und haben, soweit bekannt, keine störenden Wechselwirkungen mit anderen Strahlungsquellen." (Hervorhebung durch mich)
Eine Strahlungsquelle? Was wird verstrahlt? Licht, Radiowellen, Alphateilchen?

Nun, ich bin nicht der einzige, der sich diese Frage gestellt hat. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Skeptiker findet sich ein Artikel der amerikanischen Ärztin Dr. Harriet Hall - die englische Originalfassung aus der Zeitschrift "Skeptical Inquierer" finden Sie online hier.

Kurz zusammengefasst: Es gibt kein natürliches Energiefeld, es schwingt nicht, Hologramme schwingen ebenfalls nicht.

Eine wundervolle Demonstration, wie derartige Bänder tatsächlich arbeiten, zeigt das australische Fernsehen:


Schön auch diese Demonstration des australischen Skeptikers Richard Saunders:


Mit anderen Worten: Die vermeintlich überzeugenden Demonstrationen entpuppen sich als Tricks, wie sie insbesondere in dem zweiten Video gezeigt werden. Eine Wirkung haben die Bänder daher wohl allenfalls durch zwei wissenschaftlich abgesicherte Prinzipien: Den Placebo-Effekt und das, was man im englischen 'Confirmation Bias' nennt, also die Eigenschaft des menschlichen Gedächtnisses, bestätigende Ereignisse zu behalten und die nicht bestätigenden nicht.

Da man in Australien recht aktiv ist, haben zwei australische Skeptiker ein ähnliches Produkt auf den Markt gebracht: Das Placeboband! Informationen zu den - momentan (22.01.2011) leider ausverkauften - Placebobändern finden Sie unter http://skepticbros.com/placebo-bands/. Die wunderschönen Placebobands kosten 2 australische Dollar, für meine drei habe ich einschliesslich Versandkosten etwa 12 € bezahlt. Und schön sind sie:
Meine Placebobands... (eigenes Foto)

Freitag, 14. Januar 2011

Rechtzeitig zum Wochenende: Podcasts

Meine erste Begegnung mit den Skeptikern war auf iTunes: In einem Forumsbeitrag schrieb jemand etwas über seinen Lieblingspodcast, The Skeptics Guide to the Universe. Es dauerte dann fast ein halbes Jahr und viele, viele Folgen dieses wöchentlichen Podcast, bis ich mir die Frage gestellt habe: Sind Skeptiker ein amerikanisches Phänomen oder gibt es das auch anderswo - in Deutschland zum Beispiel (Die Antwort lautet: Es gibt auch Skeptiker in Deutschland). Als jemand, der gerne Podcasts hört, habe ich hier ein paar skeptische Podcasts zusammengestellt, die ich gerne höre. Es mag noch viel mehr geben (Hinweise in den Kommentaren sind erwünscht). Insbesondere habe ich nur einen einzigen deutschsprachigen Podcast auf der Liste, aber der eine oder der andere wird sicher die englische Sprache gut genug beherrschen, um den hier vorgestellten Podcasts zu lauschen. Wenn Sie also am Wochenende nichts besseres zu tun haben, hören Sie mal rein.

The Skeptics' Guide to the Universe
Es ist kaum vorstellbar, was Dr. Steven Novella und die "Rogues" seit Jahren jeden Samstag präsentieren. Eine unterhaltsame und informative Show mit Nachrichten, Interviews und meinen beiden Lieblingsteilen: "Who is this noisy?" - Hörer können bis zur kommenden Woche ein Geräusch erraten und "Science or Fiction?" - Die "Rogues" raten, welche von drei Nachrichten erfunden ist.

For Good Reason
For Good Reason ist der Podcast der "James Randi Educational Foundation". JREF Präsident DJ Grothe, wie der Namensgeber der JREF gelernter Zauberkünstler, interviewt interessante Gäste. Informativ und unterhaltsam.

Rationally Speaking
ist der Podcast der New Yorker Skeptiker. Massimo Pigliucci und Julia Galef erkunden die Grenzgebiete zwischen Wissenschaft und Nonsens.

Skepticality
Skepticality ist der offizielle Podcast des Skeptic Magazins, das von Michael Shermers Skeptic Society herausgegeben wird. Die Moderatoren Derek und Swoopy präsentieren Nachrichten, Themen und Interviews.

Point of Inquiry
Point of Inquiry ist der Podcast des "Center for Inquiry", der ältesten Skeptiker-Organisation überhaupt. Verschiedene Moderatoren decken die ganze Palette skeptischer Themen ab.

Monster Talk
Ganz im Gegensatz dazu steht "Monster Talk". Der Podcast konzentriert sich völlig auf ... Monster. Von Bigfoot bis zum Loch Ness Monster. Ich hätte nicht gedacht, dass man eine ganze Podcast-Reihe mit diesem Thema unterhaltsam füllen kann, aber dem Team von Monster Talk gelingt das immer wieder. Der Podcast kommt auch vom Skeptic Magazine.

Skeptoid
In Skeptoid finden wir einen anderen Ansatz. Brian Dunning untersucht in jeweils etwa nur fünf Minuten Phänomäne und Alltagsmythen, vom Bermuda-Dreieck bis zu den Pyramiden.

The Skeptic Zone
Mit dem Podcast 'The Skeptic Zone' verlassen wir die USA und gehen nach Australien. Richard Saunders und Dr. Rachel Dunlop berichten von der anderen Seite der Welt, wo es eine sehr aktive und erfolgreiche Skeptiker-Szene gibt.

Skeptically Speaking
Zurück auf dem amerikanischen Kontinent: Dieser Podcast ist die Podcast-Ausgabe einer kanadischen Livesendung. Gastgeberin ist Desiree Shell.


Skeptics with a K
Womit wir im guten alten Europa gelandet wären: Skeptics with a K ist ein Podcast der Merseyside Skeptics, kommt also aus England. Achtung: Nicht alle Moderatoren sprechen BBC-Englisch. Informativ und mit einer guten Prise britschen Humors. Unterhaltsam ist auch der zweite Podcast, Inkredulous.

Righteous Indignation
Righteous Indignation ist ein weiterer britisch-irischer Podcast (einer der Moderatoren kommt von den Irischen "Skeptics in the Pub"), der sich unterhaltsam mit übernatürlichen Phänomenen beschäftigt.

Little Atoms
Nicht immer nur skeptisch, aber immer interessant. Radiosendung als Podcast. Neil Denny, Padraig Reidy, Richard Sanderson und Rebecca Watson (wenn die nicht gerade in der Welt rumdüst) interviewen interessante Gäste.


Super-Duper Woo-Fighting Duo (with capes!)
Skeptiker-Nachwuchs Rhys Morgan und Noodlemaz diskutieren - hauptsächlich - über Jim Humble und 'Miracle Mineral Solution' - anders auch als Chlorbleiche bekannt.

Humoralpathologie
ist der einzige deutschsprachige Podcast auf der Liste. Man macht sich hier ganz ungeniert über Esoterik lustig. Willkomen in Lemurien.

FM4 Science Busters
bringe ich ausser der Reihe: Lustige und unterhaltsame Wissenschaft (keine fünf Minuten pro Episode) vom ORF.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Magie und Recht

Bei diesem Post kann ich endlich mal meine beiden Interessenfelder Recht und Skeptiker zusammenbringen. Eine kurze Vorwarnung: Es folgt eine sehr vorläufige Besprechung eines Urteils. Grundsätzlich sollte man Urteile nur dann beurteilen, wenn man sie auch gesehen hat. Da das sogleich zu besprechende Urteil aber noch nicht im Volltext verfügbar ist, kann ich mich nur an die amtliche Pressemitteilung des Bundesgerichtshofes beziehen. Allgemein habe ich auf meiner Webseite schon mal etwas zur Bewertung von Urteilen geschrieben. Nachlesen kann sich anbieten.

Worum geht es?
Am heutigen Tag hat der Bundesgerichsthof eine Pressemitteilung über eine Urteil des 3. Zivilsenats veröffentlicht. Die Pressemitteilung können Sie hier nachlesen. Über die Seite www.bundesgerichtshof.de können Sie in einigen Wochen auch die vollständige Entscheidung nachlesen, was in jedem Fall sinnvoll ist (Einfach nach dem Aktenzeichen III ZR 87/10 suchen).

Die Überschrift der Pressemitteilung lautet "Bundesgerichtshof zum Anspruch auf Vergütung für Kartenlegen" - eine vielversprechende Überschrift also. Der Fall, den der Bundesgerichsthof zu beurteilen hatte, ist leider branchentypisch, auch wenn man das der Pressemitteilung leider nicht entnehmen kann. Es kann durchaus sein, dass sich die BGH-Richter dieses Umstandes nicht bewusst waren.

Der Fall: Die Klägerin ist als Selbständige mit Gewerbeanmeldung tätig und bietet Lebensberatung ("life coaching"), wobei sie ihre Ratschläge anhand der durch Kartenlegen gewonnenen Erkenntnisse erteilt. In einer durch Beziehungsprobleme ausgelösten Lebenskrise stieß der Beklagte im September 2007 auf die Klägerin. In der Folgezeit legte sie ihm am Telefon in vielen Fällen zu verschiedenen - privaten und beruflichen - Lebensfragen die Karten und gab Ratschläge. Hierfür zahlte der Beklagte im Jahr 2008 mehr als 35.000 €. Für im Januar 2009 erbrachte Leistungen verlangt die Klägerin mit ihrer Klage 6.723,50 €.

Die Entscheidung
Der Bundesgerichtshof hat in seiner Entscheidung zunächst einmal bestätigt, was schon die Vorinstanzen entschieden haben. Eine Leistung, die auf die Erbringung magischer oder übernatürlicher Dienste gerichtet ist, ist objektiv unmöglich. Aus diesem Umstand hatten die Vorinstanzenzen geschlossen, dass die Klägerin nach § 275 Abs. 1 BGB von ihrer Leistungspflicht frei wird, aber deshalb nach § 326 Abs. 1 S. 1 BGB auch keinen Anspruch auf die Gegenleistung habe. Diesen scheinbar zwingenden Schluss will aber der Bundesgerichtshof nicht ziehen. Lassen wir die Presseerklärung dazu sprechen: "Die Vertragsparteien können im Rahmen der Vertragsfreiheit und in Anerkennung ihrer Selbstverantwortung wirksam vereinbaren, dass eine Seite sich - gegen Entgelt - dazu verpflichtet, Leistungen zu erbringen, deren Grundlagen und Wirkungen nach den Erkenntnissen der Wissenschaft und Technik nicht erweislich sind, sondern nur einer inneren Überzeugung, einem dahingehenden Glauben oder einer irrationalen, für Dritte nicht nachvollziehbaren Haltung entsprechen. "Erkauft" sich jemand derartige Leistungen im Bewusstsein darüber, dass die Geeignetheit und Tauglichkeit dieser Leistungen zur Erreichung des von ihm gewünschten Erfolgs rational nicht erklärbar ist, so würde es Inhalt und Zweck des Vertrags sowie den Motiven und Vorstellungen der Parteien widersprechen, den Vergütungsanspruch des Dienstverpflichteten zu verneinen. Nach den Umständen des Falles liegt die Annahme nicht fern, dass die Klägerin nach dem Willen der Parteien die vereinbarte Vergütung ungeachtet des Umstands beanspruchen konnte, dass die "Tauglichkeit" der erbrachten Leistung rational nicht nachweisbar ist." Allerdings lässt der Bundesgerichtshof dem Beklagten noch ein - bei der Schilderung des Sachverhalts nicht ganz fern liegendes -Schlupfloch: Er hält es für erwägenswert, den konkreten Vertrag als sittenwidrig zu betrachten. In diesem Zusammenhang dürfe nicht verkannt werden, dass sich viele Personen, die derartige Verträge schließen, in einer schwierigen Lebenssituation befinden oder es sich bei ihnen um leichtgläubige, unerfahrene oder psychisch labile Menschen handelt. Daher dürften in solchen Fällen keine allzu hohen Anforderungen an einen Verstoß gegen die guten Sitten gestellt werden.

eine erste Bewertung...
Da ich - wie schon gesagt - bislang nur eine Pressemitteilung kenne, kann ich hier naturgemäß nur ein paar Gedanken los werden, die Enstcheidung aber nicht wirklich bewerten.
Vertragsfreiheit ist sicher wichtig. Man kann auch durchaus den strengen Standpunkt vertreten, dass Verträge eben eingehalten werden müssen. Wenn sich also alle darüber einig sind, dass Magie nach wissenschaftlichen Kriterien wirkungslos ist, warum sollen sie dann darüber keinen Vertrag schließen dürfen? Genau bei dieser Annahme habe ich aber ein  Problem. Wer glaubt, dass ein Magier in die Zukunft sehen kann, der irrt. Er glaubt ja gerade, dass der Magier mit seinen Mitteln den versprochenen Erfolg erzielen kann. Der Kunde ist sich also gerade nicht darüber im Klaren, dass er sich auf eine unmögliche Dienstleistung einlässt. Ist er damit nicht schutzbedürftig? Insbesondere, wenn man an Fälle wie diesen denkt, in denen der Kunde einen beträchtlichen Teil seines Vermögens für solchen Aberglauben ausgibt. Ob es in allen Fällen gelingt, diesen Schutz über das Verdikt der Sittenwidrigkeit zu erreichen, dürfte zweifelhaft sein.

Ein Lichtblick der Entscheidung ist jedoch vor allem, dass Kartenleger sich wohl nicht darauf berufen können, die Legitimität ihrer Magie sei vom Bundesgerichtshof bestätigt worden. Jedenfalls hinsichtlich der Unmöglichkeit der Leistung lässt der Bundesgerichtshof keine Zweifel offen. Gleichwohl hätte man sich eine Entscheidung gewünscht, die letztlich irrende Verbraucher besser vor der skrupellosen Ausbeutung ihres Aberglaubens schützt, als es diese Entscheidung tut.

Nachtrag:
Ich bin nicht der einzige, der sich schon an eine Bewertung des Urteils gewagt hat. Der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Jan-Peter Ewert kommentiert auf dem GWUP-Blog mit folgendem Fazit: "Schwieriger wird die Lage für Opfer von Quacksalbern damit aber allemal". Dem kann ich mich nur anschließen.

Und gleich noch ein Nachtrag (23:26): Auch Rechtsanwalt Udo Vetter sieht auf seinem Lawblog die Sache kritisch. Seine treffende Überschrift: "Auch heiße Luft darf berechnet werden". Besonders die Kommentare sind hier recht interessant.